40 Angaben über die Beziehungen zu nahe stehenden Personen und Unternehmen nach IAS 24

Als nahe stehende Personen oder Unternehmen im Sinne des IAS 24 gelten natürliche Personen und Unternehmen, die von der Volkswagen AG beeinflusst werden können, die einen Einfluss auf die Volkswagen AG ausüben können oder die unter dem Einfluss einer anderen nahe stehenden Partei der Volkswagen AG stehen.

Zum Bilanzstichtag hielt die Porsche Automobil Holding SE, Stuttgart, mit 50,73 % die Mehrheit der Stimmrechte an der Volkswagen AG. Auf der Außerordentlichen Hauptversammlung der Volkswagen AG am 3. Dezember 2009 wurde die Schaffung von Entsendungsrechten für das Land Niedersachsen beschlossen. Damit kann die Porsche Automobil Holding SE nicht mehr die Mehrheit der Mitglieder im Aufsichtsrat der Volkswagen AG bestellen, solange dem Land Niedersachsen mindestens 15 % der Stammaktien gehören. Die Porsche Automobil Holding SE hat aber die Möglichkeit, an den unternehmenspolitischen Entscheidungen des Volkswagen Konzerns mitzuwirken. Im Vorfeld der Hauptversammlung hatte der Aufsichtsrat von Volkswagen der Grundlagenvereinbarung zwischen der Volkswagen AG, der Porsche Automobil Holding SE, der Porsche Holding Gesellschaft m.b.H. und Porsche GmbH, beide Salzburg, der Porsche Zwischenholding GmbH, Stuttgart, den Stammaktionären der Porsche Automobil Holding SE sowie den Arbeitnehmervertretungen der Volkswagen AG, der Porsche Automobil Holding SE und der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Stuttgart, zur Schaffung eines integrierten Automobilkonzerns unter Führung von Volkswagen zugestimmt.

Im Zuge der Umsetzung der Verträge hat die Volkswagen AG mit der Porsche Automobil Holding SE und Gesellschaften des Porsche Zwischenholding GmbH Konzerns darüber hinaus insbesondere folgende Vereinbarungen getroffen:

  • Die Volkswagen AG wird von der Porsche Automobil Holding SE von Verpflichtungen aus bestimmten Rechtsstreitigkeiten, Steuerverbindlichkeiten (zuzüglich Zinsen) und bestimmten Großschäden freigestellt.
  • Der Volkswagen AG werden durch die Porsche Automobil Holding SE verschiedene Garantien bezüglich der Porsche Zwischenholding GmbH und der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG gewährt. Diese beziehen sich unter anderem auf die ordnungsgemäße Ausgabe und volle Einzahlung der Aktien an der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, auf die Inhaberschaft der Anteile an der Porsche Zwischenholding GmbH und der Porsche AG sowie auf das Vorliegen der für die operative Tätigkeit der Porsche AG erforderlichen Genehmigungen, Erlaubnisse und Schutzrechte.
  • Die Volkswagen AG stellt die Porsche Automobil Holding SE von bestimmten Finanzgarantien, die die Porsche Automobil Holding SE gegenüber Gläubigern der Gesellschaften des Porsche Zwischenholding GmbH Konzerns gegeben hat, in Höhe ihres Anteils am Kapital der Porsche Zwischenholding GmbH frei.
  • Die Volkswagen AG steht bei Fälligkeit und Uneinbringlichkeit im Falle der Insolvenz der Porsche Zwischenholding GmbH oder der Porsche AG für Darlehensverpflichtungen dieser Gesellschaften gegenüber der Porsche Automobil Holding SE ein, soweit diese Verpflichtungen bei Nicht-Insolvenz im Zeitpunkt der Fälligkeit durch Aufrechnung mit Ansprüchen gegenüber der Porsche Automobil Holding SE hätten erfüllt werden können.
  • Die Volkswagen AG hat die Porsche Automobil Holding SE von Ansprüchen des Einlagensicherungsfonds im Innenverhältnis freigestellt, nachdem die Porsche Automobil Holding SE im August 2009 eine vom Bundesverband Deutscher Banken geforderte Freistellungserklärung gegenüber dem Einlagensicherungsfonds abgegeben hatte. Die Volkswagen AG hat sich zudem verpflichtet, den Einlagensicherungsfonds von etwaigen Verlusten freizustellen, die durch dessen Maßnahmen zugunsten eines im Mehrheitsbesitz stehenden Kreditinstituts anfallen.

Am 8. September 2011 ist der Vorstand der Volkswagen Aktiengesellschaft nach Gesprächen mit der Porsche Automobil Holding SE zu der Überzeugung gelangt, dass ein Beschluss über die Verschmelzung mit der Porsche Automobil Holding SE nicht wie in der Grundlagenvereinbarung vorgesehen bis zum 31. Dezember 2011 gefasst werden kann.

Die Volkswagen AG und die Porsche Automobil Holding SE haben für den Fall, dass es nicht zu der nach der Grundlagenvereinbarung angestrebten Verschmelzung der Porsche Automobil Holding SE auf die Volkswagen AG kommt, gegenseitig ausübbare Call- und Put-Optionen hinsichtlich der verbleibenden 50,1 % der Anteile an der Porsche Zwischenholding GmbH vereinbart. Die Put-Option ist vom 15. November 2012 bis einschließlich 14. Januar 2013 sowie nochmals vom 1. Dezember 2014 bis einschließlich 31. Januar 2015 ausübbar; die Call-Option kann vom 1. März 2013 bis einschließlich 30. April 2013 sowie nochmals vom 1. August 2014 bis einschließlich 30. September 2014 gezogen werden. Sowohl Put- als auch Call-Option stehen unter dem Vorbehalt, dass die für die Verschmelzung der Porsche Automobil Holding SE auf die Volkswagen AG notwendigen Hauptversammlungsbeschlüsse bis zu dem in der Grundlagenvereinbarung vorgesehenen Termin Ende 2011 nicht gefasst werden. Diese Voraussetzung ist zum Bilanzstichtag eingetreten. Daneben wird der Vorstand der Volkswagen AG analysieren, ob weitere Handlungsmöglichkeiten bestehen, um das Ziel des integrierten Automobilkonzerns mit Porsche zu erreichen.

Der Basispreis beider Optionen beträgt 3.883 Mio. € und unterliegt geringfügigen Anpassungen. Sowohl die Volkswagen AG (im Falle der Ausübung ihrer Call-Option) als auch die Porsche Automobil Holding SE (im Falle der Ausübung ihrer Put-Option) haben sich verpflichtet, aus der Ausübung der Optionen und eventuellen nachgelagerten Handlungen in Bezug auf die Beteiligung an der Porsche Zwischenholding GmbH sich ergebende steuerliche Belastungen (zum Beispiel aus der Nachversteuerung der Ausgliederung 2007 und/oder 2009) zu tragen. Zur Sicherung von gegebenenfalls noch bestehenden Ansprüchen der Volkswagen AG aus dem Vertrag zwischen der Porsche Automobil Holding SE und der Volkswagen AG über die Beteiligung der Volkswagen AG an der Porsche Zwischenholding GmbH wurde für den Fall der Ausübung der Put- beziehungsweise Call-Option zudem ein Einbehaltmechanismus zugunsten der Volkswagen AG in Bezug auf den zu entrichtenden Kaufpreis vereinbart.

Sollten sich bei der Volkswagen AG, der Porsche Zwischenholding GmbH, der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG oder deren jeweiligen Tochtergesellschaften aus der Nachversteuerung der Ausgliederung 2007 und/oder 2009 steuerliche Vorteile ergeben, erhöht sich im Falle der Ausübung der Put-Option durch die Porsche Automobil Holding SE der von der Volkswagen AG für die Übertragung des verbleibenden 50,1-prozentigen Anteils an der Porsche Zwischenholding GmbH zu entrichtende Kaufpreis um den Barwert der Steuervorteile.

Die Call-Option hat nach finanzmathematischer Berechnung zum Bilanzstichtag einen positiven Zeitwert von 8.409 Mio. € (Vorjahr 2.001 Mio. €) und die korrespondierende Put-Option einen negativen Zeitwert von 87 Mio. € (Vorjahr 233 Mio. €). Da die für die Verschmelzung notwendigen Hauptversammlungsbeschlüsse bis zu dem in der Grundlagenvereinbarung vorgesehenen Termin nicht mehr gefasst werden konnten, wurde die Wahrscheinlichkeit einer Verschmelzung bei der Bewertung der Optionen mit 0 % angesetzt (Vorjahr 50 %). Neben der Veränderung der Verschmelzungswahrscheinlichkeit hatte insbesondere die Anpassung des sich aus der aktualisierten Unternehmensplanung der Porsche Zwischenholding GmbH ergebenden Unternehmenswertes einen maßgeblichen Einfluss auf den Wert der Optionen. Der Unterschiedsbetrag wird im Übrigen Finanzergebnis ausgewiesen (siehe Anhangangabe 9).

Volkswagen hatte des Weiteren der Porsche Holding Gesellschaft m. b. H., einer Gesellschaft im Besitz der Familien Porsche und Piëch, eine Put-Option in Bezug auf das operative Vertriebsgeschäft der Gesellschaft eingeräumt. Volkswagen wurden im Gegenzug Rechte zur Mitwirkung an der Führung der Gesellschaft während der Laufzeit der Option zugestanden. Die Option wurde am 10. November 2010 ausgeübt. Die Übertragung der Vertriebsgesellschaft erfolgte zum 1. März 2011 gegen Zahlung von 3,3 Mrd. €.

Das Land Niedersachsen und die Hannoversche Beteiligungsgesellschaft mbH, Hannover, verfügen gemäß Mitteilung vom 24. Januar 2012 am 31. Dezember 2011 über 20,00 % der Stimmrechte an der Volkswagen AG. Darüber hinaus wurde – wie oben dargestellt – von der Hauptversammlung der Volkswagen AG am 3. Dezember 2009 beschlossen, dass das Land Niedersachsen zwei Mitglieder des Aufsichtsrates bestellen darf (Entsendungsrecht).

Mitglieder des Vorstands beziehungsweise des Aufsichtsrats der Volkswagen AG sind Mitglieder in Aufsichtsräten beziehungsweise Vorständen von anderen Unternehmen oder sind Gesellschafter anderer Unternehmen, mit denen die Volkswagen AG im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit Beziehungen unterhält. Alle Geschäfte mit nahe stehenden Personen und Unternehmen werden zu Bedingungen ausgeführt, wie sie auch mit fremden Dritten üblich sind.

Die folgenden Tabellen zeigen das Lieferungs- und Leistungsvolumen sowie ausstehende Forderungen und Verpflichtungen zwischen vollkonsolidierten Gesellschaften des Volkswagen Konzerns und nahe stehenden Personen und Unternehmen.

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NAHE STEHENDE UNTERNEHMEN UND PERSONEN

 

 

 

 

Erbrachte Lieferungen
und Leistungen

 

Empfangene Lieferungen
und Leistungen

Mio. €

 

2011

 

2010

 

2011

 

2010

1

Suzuki Motor Corporation bis 13. September 2011 und MAN SE bis 9. November 2011.

2

Bis 28. Februar 2011.

Porsche Automobil Holding SE

 

1

 

0

 

0

 

Aufsichtsräte

 

1

 

2

 

0

 

0

Vorstandsmitglieder

 

0

 

0

 

0

 

0

Nicht konsolidierte Tochtergesellschaften

 

1.207

 

1.024

 

766

 

933

Gemeinschaftsunternehmen

 

12.699

 

6.263

 

1.526

 

1.110

Assoziierte Unternehmen1

 

335

 

175

 

496

 

186

Versorgungspläne

 

2

 

2

 

0

 

0

Sonstige nahe stehende Personen oder Unternehmen

 

3

 

1

 

16

 

36

Porsche Holding Salzburg, deren Mehrheitsbeteiligungen und Gemeinschaftsunternehmen2

 

744

 

4.218

 

27

 

168

Land Niedersachsen, deren Mehrheitsbeteiligungen und Gemeinschaftsunternehmen

 

9

 

11

 

0

 

0

  Download

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Forderungen an

 

Verbindlichkeiten  gegenüber

Mio. €

 

31.12.2011

 

31.12.2010

 

31.12.2011

 

31.12.2010

1

Im Vorjahr einschließlich Suzuki Motor Corporation und MAN SE.

2

Davon im Vorjahr Forderungen in Höhe von 49 Mio. € durch die Porsche Holding Gesellschaft m. b. H., Salzburg, Österreich, besichert.

Porsche Automobil Holding SE

 

0

 

0

 

 

Aufsichtsräte

 

0

 

0

 

162

 

6

Vorstandsmitglieder

 

0

 

0

 

63

 

29

Nicht konsolidierte Tochtergesellschaften

 

652

 

388

 

374

 

335

Gemeinschaftsunternehmen

 

3.886

 

2.988

 

3.657

 

407

Assoziierte Unternehmen1

 

65

 

14

 

53

 

48

Versorgungspläne

 

1

 

1

 

 

1

Sonstige nahe stehende Personen oder Unternehmen

 

 

0

 

 

3

Porsche Holding Salzburg, deren Mehrheitsbeteiligungen und Gemeinschaftsunternehmen2

 

 

168

 

 

10

Land Niedersachsen, deren Mehrheitsbeteiligungen und Gemeinschaftsunternehmen

 

4

 

0

 

0

 

0

Aufgrund der Änderung der IAS 24.18 sind ab dem Geschäftsjahr 2011 auch sonstige vertragliche Verpflichtungen gegenüber nahe stehenden Personen aufzunehmen. Die Vorjahreszahlen sind entsprechend angepasst.

Zum 31. Dezember 2011 waren Finanzierungen aus Factoring zu marktüblichen Konditionen und Sicherheiten gegenüber einer Tochtergesellschaft der Porsche Zwischenholding GmbH von 0,2 Mrd. € offen (Vorjahr: 0,2 Mrd. €); davon wurden 103 Mio. € im Berichtszeitraum gewährt.

Die Porsche Corporate Finance GmbH, Salzburg, Zurich Branch, Österreich, hat im Geschäftsjahr 2010 sieben Commercial Papers der Volkswagen International Finance N.V., Amsterdam, Niederlande, mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 0,1 Mrd. € gezeichnet, die von der Volkswagen AG garantiert wurden. Bis zum Bilanzstichtag 2010 waren alle Papiere ausgelaufen.

Die übrigen finanziellen Verpflichtungen enthalten Verpflichtungen aus einer unwiderruflichen Kreditzusage in Höhe von 1,5 Mrd. € an die LeasePlan Corporation N.V., Amsterdam, Niederlande, ein Gemeinschaftsunternehmen des Volkswagen Konzerns, mit einer Laufzeit bis Januar 2014.

Vorstand und Aufsichtsrat des Volkswagen Konzerns sind nahe stehende Personen im Sinne des IAS 24. Für diesen Personenkreis sind folgende im Rahmen ihrer Organtätigkeit gewährte Leistungen und Vergütungen erfasst worden:

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2011

 

2010

Kurzfristig fällige Leistungen

 

78.005.219

 

42.059.737

Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses

 

4.818.087

 

3.246.326

 

 

82.823.306

 

45.306.063

Den angestellten Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat steht weiterhin ein reguläres Gehalt im Rahmen ihres Arbeitsvertrags zu. Dieses orientiert sich an den Vorschriften des Betriebsverfassungsgesetzes und entspricht einer angemessenen Vergütung für die entsprechende Funktion beziehungsweise Tätigkeit im Unternehmen. Dies gilt entsprechend für den Vertreter der Leitenden Angestellten im Aufsichtsrat.

Zum Geschäftsjahresende bestanden ausstehende Salden für die Tantieme der Vorstandsmitglieder in Höhe von 61.075.000 € (Vorjahr: 28.792.500 €). Die Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses betreffen Zuführungen zu Pensionsrückstellungen für aktive Vorstandsmitglieder. Die genannten Aufwendungen entsprechen nicht der Definition von Vergütungen für Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder nach dem Corporate Governance Kodex.

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