Nachfrage nach PKW und leichten Nutzfahrzeugen steigt weiter

Die weltweiten Pkw-Verkäufe stiegen im Geschäftsjahr 2011 um 4,8 % auf 62,0 Mio. Fahrzeuge. Damit übertraf die Branche den bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2007. Zu diesem Wachstum trugen vor allem die Einzelmärkte USA, China und Russland bei. Auch die Region Südamerika entwickelte sich positiv und übertraf den Rekordwert des Vorjahres. Die Nachfrage in Westeuropa lag – vor allem dank der Erholung des deutschen Marktes – nur leicht unter dem Vorjahresniveau, während die Märkte in Zentral- und Osteuropa ihre Erholung fortsetzten. In der Region Asien-Pazifik ohne China verfehlten die Neuzulassungen wegen des drastischen Markteinbruchs in Japan infolge der Naturkatastrophen das Vorjahresergebnis. In Südafrika stiegen die Pkw-Verkäufe weiter, erreichten allerdings nicht das Niveau von 2007.

Die Weltautomobilproduktion stieg im Berichtszeitraum um 3,6 % auf 80,3 Mio. Einheiten, davon entfielen 66,3 Mio. auf Pkw (+4,6 %).

Branchenspezifische Rahmenbedingungen

Die etablierten Pkw-Märkte haben sich im Jahr 2011 unterschiedlich entwickelt. Während einige Industrieländer von der Schuldenkrise und deren Folgen belastet wurden, profitierten andere – darunter insbesondere Deutschland – in der ersten Hälfte des Jahres von der robusten Nachfrage auf den Wachstumsmärkten. Zudem sind wie erwartet negative Effekte aus dem Ende der staatlichen Fördermaßnahmen in Westeuropa eingetreten.

Durch aktives Risikomanagement der Hersteller und des Handels sowie eine enge Zusammenarbeit mit Finanzdienstleistern ließen sich die Auswirkungen gut bewältigen.

Für die Automobilbranche werden die umfangreiche Erschließung der großen Märkte China und Brasilien, der Ausbau der Aktivitäten in Indien und die Befriedigung der Nachfrage in Russland zunehmend wichtiger.

In vielen Märkten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas zeichnet sich eine weitere Erleichterung des Freihandels ab. Im Falle eines erneuten Einbruchs der Weltkonjunktur ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass dort Maßnahmen ergriffen werden, um den Protektionismus wieder zu verstärken.

AUSLIEFERUNGEN DES VOLKSWAGEN KONZERNS NACH MONATEN
in Tsd. Fahrzeuge

Auslieferungen des Volkswagen Konzerns nach Monaten (Liniendiagramm)

Europa/Übrige Märkte

Auf den westeuropäischen Märkten gingen die Pkw-Neuzulassungen im Berichtszeitraum insgesamt leicht zurück (–1,5 %). Mit 12,8 Mio. Pkw wurde der Vorjahreswert erneut verfehlt und das niedrigste Gesamtmarktvolumen der vergangenen 16 Jahre registriert. Der Rückgang ergab sich in den meisten Volumenmärkten hauptsächlich aus einem – im Vergleich zum Vorjahr – sehr schwachen ersten Quartal 2011; diese Entwicklung war insbesondere auf die im Jahresverlauf 2010 ausgelaufenen staatlichen Fördermaßnahmen zurückzuführen. Außerdem trugen das geringe Wirtschaftswachstum, die steigende Arbeitslosigkeit und die Schuldensituation in einigen Ländern dazu bei, dass die Marktvolumina zum Teil deutlich unter die Vorjahreswerte fielen. Einbußen im Geschäftsjahr 2011 erlitten Spanien (–17,7 %), Italien (–11,6 %), Großbritannien (–4,4 %) und Frankreich (–2,1 %). Dagegen legte der deutsche Pkw-Markt (+8,8 %) im Vergleich zum sehr niedrigen Niveau 2010 wieder kräftig zu. Der Marktanteil der Dieselfahrzeuge in Westeuropa stieg im Berichtsjahr im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich an und übertraf mit 55,4 (51,7) % den bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2007.

Die Pkw-Märkte Zentral- und Osteuropas setzten im Geschäftsjahr 2011 ihre Erholung fort. Mit einem Zuwachs von 26,0 % auf 3,7 Mio. Pkw lag die Nachfrage allerdings noch weit unter dem Rekordniveau von 2008. Der Anstieg resultierte zudem fast ausschließlich aus der sehr positiven Entwicklung des russischen Marktes. Staatliche Unterstützungsmaßnahmen und ein deutlich größeres Verbrauchervertrauen ließen in Russland die Pkw-Verkäufe um 39,8 % auf 2,5 Mio. Einheiten steigen. Von diesem Absatzboom profitierten vor allem Hersteller mit Produktionsstätten vor Ort. Im Gegensatz zum Jahr 2010 verzeichneten auch die zentraleuropäischen EU-Staaten insgesamt mehr Neuzulassungen: Positiv entwickelte sich der Pkw-Markt in den baltischen Staaten (+83,9 %), Bulgarien (+19,9 %), in der Slowakei (+6,5 %), Ungarn (+3,2 %) und Tschechien (+2,4 %). Weniger Pkw-Neuzulassungen als im Vorjahr gab es hingegen in Polen (–10,6 %), Rumänien (–8,9 %) und Slowenien (–2,2 %). In der Türkei erreichten die Pkw-Verkäufe mit 578 Tsd. Einheiten (+13,4 %) eine neue Bestmarke.

Auf dem südafrikanischen Pkw-Markt hielt im Berichtszeitraum der Aufwärtstrend des Vorjahres an. Die Neuzulassungen übertrafen den Vergleichswert 2010 um 18,4 % und kletterten auf 399 Tsd. Einheiten. Positiv wirkte sich unter anderem ein erhöhter Absatz an Autovermieter aus.

Deutschland

Die Pkw-Nachfrage in Deutschland stieg im Geschäftsjahr 2011 um 8,8 % auf 3,2 Mio. Fahrzeuge. Das sehr niedrige Vorjahresniveau und der wirtschaftliche Aufschwung im Jahr 2011 haben die hohe Steigerung begünstigt. Der Markt für leichte Nutzfahrzeuge wuchs – wie bereits im Vorjahr – vor allem aufgrund des gestiegenen Transportbedarfs zweistellig um 18,3 % auf 241 Tsd. Fahrzeuge. Im Berichtsjahr 2011 erzielten die deutschen Hersteller neue Höchstwerte bei Produktion und Export und übertrafen damit deutlich die bisherigen Rekordstände aus dem Vorkrisenjahr 2007. Gegenüber 2010 nahm die inländische Pkw-Produktion um 5,6 % auf 5,9 Mio. Fahrzeuge zu; die Pkw-Ausfuhren erhöhten sich um 6,6 % auf 4,5 Mio. Einheiten.

Nordamerika

Die Nachfrage nach Pkw und leichten Nutzfahrzeugen (bis 6,35 t) auf dem nordamerikanischen Markt erhöhte sich 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 % auf 15,3 Mio. Fahrzeuge. Von der Absatzsteigerung profitierten fast ausschließlich Fahrzeuge aus nordamerikanischer Fertigung. In den USA führten trotz der konjunkturellen Eintrübung der Gesamtwirtschaft die Vielzahl neuer Modelle und ein erhöhter Ersatzbedarf dazu, dass die Automobilverkäufe deutlich zunahmen. Allerdings lag der Absatz von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen mit 12,8 Mio. Einheiten (+10,3 %) immer noch deutlich unter dem Niveau des Jahres 2007. In Kanada hat sich das Wachstum im Berichtszeitraum gegenüber dem Vorjahr verlangsamt, der Absatz stieg um 1,8 % auf 1,6 Mio. Fahrzeuge. Auf dem mexikanischen Markt entsprach das Verkaufsplus von 9,7 % auf 0,9 Mio. Fahrzeuge dagegen annähernd der Steigerungsrate des Vorjahres.

Südamerika

In der Region Südamerika sind 2011 die Fahrzeugverkäufe im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen und haben den bisherigen Höchststand des Jahres 2010 noch übertroffen. Der brasilianische Markt übertraf nochmal leicht den Rekordwert des Vorjahres: Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen lag im Berichtsjahr um 0,1 % über dem Vorjahr. Trotz weitgehend stabiler Wirtschaftslage hat sich die Automobilnachfrage in der zweiten Hälfte des Jahres deutlich abgeschwächt. Verantwortlich für diese Entwicklung war die Verunsicherung der Konsumenten aufgrund steigender Inflation und hoher Zinsen. Deutliches Wachstum verzeichneten die Importfahrzeuge, begünstigt durch den starken Real. Um die lokale Industrie zu schützen, hat die brasilianische Regierung im September 2011 eine Erhöhung der Industriesteuer auf eingeführte Fahrzeuge beschlossen (wirksam seit dem 15. Dezember 2011). Die brasilianischen Fahrzeugexporte erreichten mit 542 Tsd. Einheiten (+7,7 %) erneut einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr.

In Argentinien, dem zweitgrößten Automobilmarkt der Region, übertraf die Pkw-Nachfrage mit 620 Tsd. Einheiten (+28,4 %) deutlich den bisherigen Rekord aus dem Vorjahr. Grund dafür war neben den relativ günstigen Konsumentenkrediten vor allem das Verhalten der Verbraucher: Sie investierten aufgrund der hohen Inflation in Sachwerte wie Autos, um sich vor dem Kaufkraftverlust zu schützen.

Asien-Pazifik

In der Region Asien-Pazifik wurden im Berichtszeitraum insgesamt 2,5 % mehr Pkw neu zugelassen als ein Jahr zuvor. Der chinesische Automobilmarkt verzeichnete dabei eine Steigerung um 876 Tsd. auf 12,3 Mio. Pkw. Anders als in den Jahren 2009 und 2010, in denen die Fahrzeugverkäufe in China hohe zweistellige Wachstumsraten verzeichneten, stiegen die Verkaufszahlen 2011 hier nur noch vergleichsweise moderat (+7,6 %); der Grund war, dass einige staatliche Förderprogramme ausgelaufen waren. In Japan sanken die Pkw-Neuzulassungen um 16,3 % auf 3,5 Mio. Fahrzeuge. Verantwortlich für diesen starken Einbruch waren die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit, vor allem aber hohe Produktionsausfälle infolge der Naturkatastrophen vom 11. März 2011 und die vorgezogenen Neuwagenverkäufe im Jahr 2010, damals noch begünstigt von staatlichen Förderprogrammen. Mit einem Plus von 5,6 % auf 2,3 Mio. Pkw verbuchte der indische Pkw-Markt einen weiteren Rekordwert, allerdings bei gedämpftem Wachstum. Hauptgründe für die eher verhaltene Nachfrageentwicklung waren hier, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte, hohe Zinsen und gestiegene Kraftstoffpreise.

NACHFRAGE NACH LKW UND BUSSEN WEITERHIN AUF HOHEM NIVEAU

Im Geschäftsjahr 2011 übertraf der Absatz von mittelschweren und schweren Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 6 t das hohe Vorjahresniveau. Weltweit wurden 2,7 Mio. Fahrzeuge abgesetzt, was einem Wachstum von 7,1 % entspricht. Die Entwicklung in den einzelnen Regionen war dabei sehr unterschiedlich: In Europa, Nordamerika und Russland konnte sich die Nachfrage nach den starken Einbrüchen infolge der Finanzkrise weiter erholen. Südamerika und Indien befanden sich auch im Geschäftsjahr 2011 auf einem stabilen, den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen folgenden Wachstumspfad. China als weltweit größter Markt konnte das hohe Niveau des Jahres 2010 nicht erreichen.

In Westeuropa haben sich die Fahrzeugverkäufe im Geschäftsjahr 2011 sehr positiv entwickelt. Insgesamt wurden 262 Tsd. Einheiten abgesetzt; das waren 27,5 % mehr als ein Jahr zuvor. Insbesondere die Neuzulassungen von schweren Lkw profitierten von Ersatzbeschaffungen im Zuge der konjunkturellen Erholung. Auch in Zentral- und Osteuropa waren die Zuwächse bei mittelschweren und schweren Lkw sehr hoch: Dort wurden im Berichtsjahr insgesamt 140 Tsd. Einheiten verkauft und der Vorjahreswert damit um 67,3 % übertroffen. In Russland, dem größten Einzelmarkt der Region, lag die Nachfrage im Jahr 2011 um 71,2 % über dem Vergleichswert 2010.

Aufgrund der positiven Entwicklung in den relevanten Wirtschaftssektoren stiegen in Nordamerika die Verkaufszahlen für mittelschwere und schwere Lkw um 35,9 % auf 377 Tsd. Einheiten. Davon entfielen 306 Tsd. Einheiten auf den US-amerikanischen Markt, der gegenüber dem Vorjahr um 40,7 % wuchs.

In Südamerika konnte im Geschäftsjahr 2011 ebenfalls ein Marktwachstum bei mittelschweren und schweren Lkw verzeichnet werden. Mit 223 Tsd. Einheiten wurden insgesamt 13,9 % mehr Fahrzeuge abgesetzt als ein Jahr zuvor. Die Lkw-Verkäufe in Brasilien erhöhten sich um 8,4 % auf 165 Tsd. Fahrzeuge.

In der Region Asien-Pazifik – ohne Berücksichtigung des chinesischen Marktes – übertraf das Verkaufsvolumen im Geschäftsjahr 2011 erneut das des Vorjahres. Die Neuzulassungen stiegen um 9,9 % und beliefen sich somit auf 529 Tsd. Einheiten. Die Nachfrage in China für mittelschwere und schwere Lkw erreichte das hohe Vorjahresniveau nicht. Insgesamt wurden dort 1,2 Mio. Einheiten ausgeliefert; dies entspricht einem Rückgang um 8,9 %. China bleibt jedoch weiterhin der mit Abstand größte Einzelmarkt. In Indien erhöhten sich die Verkäufe von mittelschweren und schweren Lkw im Vergleich zum Vorjahr um 10,7 % auf 313 Tsd. Einheiten.

Der Weltmarkt für Busse konnte im Geschäftsjahr 2011 einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. In Westeuropa, Nordamerika und der Region Asien-Pazifik erhöhte sich die Nachfrage auf vergleichsweise moderatem Niveau. Der brasilianische Markt für Busse wies einen starken Anstieg der Fahrzeugverkäufe auf.

NACHFRAGE NACH FINANZDIENSTLEISTUNGEN

Automobilbezogene Finanzdienstleistungen wurden im Berichtsjahr insgesamt weiterhin stark nachgefragt. Auf den europäischen Märkten nahmen vor allem die gewerblichen Kunden verstärkt Finanzdienstleistungen rund um das Automobil in Anspruch.

In Deutschland hielt das Wachstum der Leasingbranche sowohl im Nutzfahrzeug- als auch im Pkw-Sektor an. Auch die Märkte in Nord- und Südamerika sowie im Raum Asien-Pazifik entwickelten sich deutlich besser als im Vorjahr.

In den USA wuchs der Markt für Finanzdienstleistungen dank der steigenden Nachfrage nach Leasing- und Kreditangeboten. Bei den Gebrauchtwagen war eine Erholung der Restwerte zu beobachten. In Mexiko wuchs der Markt für Finanzdienstleistungen aufgrund stabiler Kreditbedingungen und Zinsen sowie Laufzeiten bis zu 60 Monaten. Darüber hinaus führten verschiedene Aktionen, beispielsweise attraktive Versicherungsangebote, und Subventionen dazu, dass die Aktivitäten auf dem lokalen Finanzdienstleistungsmarkt zunahmen.

Der brasilianische Markt ist, gestärkt durch vermehrte Vergabe von Krediten an Privatkunden, weiter auf einem Wachstumspfad. Der deutliche Ausbau der individuellen Mobilitätsbedürfnisse führte dazu, dass der Vertrieb von Consorcio, einer Kombination aus Finanzierung und Lotterie, substanziell zunahm.

Auch in China stieg die Nachfrage nach Finanzdienstleistungen. Bei gegenwärtig nur etwa 10 % kreditfinanzierten Fahrzeugkäufen existiert Potenzial, um Neukunden für automobile Finanzdienstleistungen zu gewinnen. Ein anhaltendes Wachstum der Nachfrage nach Finanzdienstleistungen war in Indien zu beobachten. In Japan nahm trotz der Naturkatastrophen Anfang des Jahres das Vertragsvolumen gegenüber dem Vorjahr kräftig zu.

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