Das Auto der Zukunft ist permanent online, wird ständig auf dem neuesten Stand der Informationstechnik gehalten und fährt auf Wunsch des Fahrers vollautomatisch. Eine Vision? Nein, ein konkreter Plan, wie sich im Gespräch zwischen Ricky Hudi, Leiter der Audi Elektronikentwicklung, und dem Trendforscher Professor Peter Wippermann herausstellt.

Autofahren 3.0 (Foto)

IM DIALOG ÜBER DIE AUTOMOBILE ZUKUNFT – Ricky Hudi von Audi (links) und Trendforscher Professor Peter Wippermann.

Berlin, Brandenburger Tor – kaum ist das Ziel in das Navigationssystem des Audi A81 eingegeben, erscheint die Satellitenansicht im Zentraldisplay. Ricky Hudi, bei Audi verantwortlich für die Elektronikentwicklung, schaltet auf die Google Street View-Perspektive um und zoomt die Quadriga heran. Sein Beifahrer, der Trendforscher Professor Peter Wippermann, ist beeindruckt: „Und das kann man heute schon kaufen?“ Kann man, wenn man sich für einen Audi mit MMI Navigation plus entscheidet. Ein Telefonmodul verbindet das Infotainment-System permanent mit dem Internet, sodass der Fahrer unter anderem Online-Verkehrsinformationen abrufen oder Internet-Radiosender hören kann. Und das nicht nur im Flaggschiff Audi A8 – mittlerweile sind nahezu alle Audi Baureihen mit Internetzugang erhältlich.

Mit der Gegenwart halten sich Hudi und Wippermann aber nicht lange auf. Ihr Geschäft ist die Zukunft. Der eine, Wippermann, untersucht gesellschaftliche Trends und ihre Auswirkungen auf das Leben in der Zukunft. Der andere, Hudi, arbeitet mit rund 2.000 internen und externen Experten des Unternehmens daran, dass die Zukunft an Bord der Audi Modelle mitfährt. „Man weiß sicher, dass junge Menschen von den Medien geprägt werden“, erläutert Wippermann. Daher kann man einige Bedürfnisse künftiger Autokäufer durchaus vorhersagen: „Für junge Menschen sind Internet und soziale Netzwerke Lebensalltag. Ihre Verfügbarkeit wird schlicht vorausgesetzt, auch im Auto.“ Ein Trend, den Audi frühzeitig erkannt hat. „Im vergangenen Jahrzehnt haben wir die Elektronikfunktionen innerhalb des Autos vernetzt“, so Hudi. „In den kommenden zehn Jahren werden wir das Auto mit seiner Umwelt vernetzen. Und zwar nahtlos.“ Dazu baut Audi seine Kompetenz auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung erheblich aus, an den deutschen Standorten, aber auch in Peking oder im Silicon Valley. Die Software für künftige Infotainment-Systeme des Volkswagen Konzerns programmieren 160 Mitarbeiter der e.solutions GmbH in Ingolstadt, einem Gemeinschaftsunternehmen von Audi mit dem IT-Dienstleister Elektrobit.

Ricky Hudi, Leiter Entwicklung Elektrik/Elektronik, Audi AG demonstriert das Navigationssystem des Audi A8 (Foto)

Eine weitere Partnerschaft gab Audi Chef Rupert Stadler Anfang 2011 bekannt: mit Nvidia, Hersteller der weltweit leistungsfähigsten Grafikprozessoren. Der Clou: Die Prozessoren, mit denen man Bilder wie das vom Brandenburger Tor schnell und fotorealistisch zeigen kann, sitzen künftig auf einer eigenen Platine. Ein Austausch ist rasch und einfach möglich. So kann Audi über den gesamten Lebenszyklus eines Modells immer die leistungsfähigsten Rechner an Bord bereitstellen. Was ein kleiner Schritt zu sein scheint, ist in der Automobilentwicklung eine Revolution. Erstmals spielt es keine Rolle mehr, dass Automodelle im Schnitt alle fünf bis sechs Jahre neu aufgelegt werden, während internetfähige Mobiltelefone einen Produktionszyklus von kaum mehr als einem Jahr haben. „Wir bringen diese beiden Welten zusammen“, sagt Hudi.

Immer mehr Rechenleistung ermöglicht das automobile Internet. „Für die Akzeptanz beim Kunden sind jedoch Haptik und Optik genauso wichtig“, sagt Wippermann und streicht über die sorgsam gearbeiteten Doppelnähte im lederkaschierten Cockpit des Audi A8. „Die Bedeutung traditioneller Werte wie Handarbeit und perfekte Verarbeitung wächst weiter.“ Das sind die richtigen Stichworte für den Perfektionisten Hudi. Er nimmt am Ende der Entwicklung jeden einzelnen Schalter selbst ab, prüft den Widerstand und sogar den Klang beim Drücken einer Taste.

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