Es gehört zu den größten Herausforderungen für die Verwaltung einer Megacity wie São Paulo, Verbesserungen im Verkehrssystem zu erarbeiten und umzusetzen. An Werktagen sind rund 3,9 Millionen Fahrzeuge in der achtgrößten Metropole der Welt unterwegs, allein zehn Millionen Fahrten werden mit den städtischen Bussen unternommen. Bürgermeister Gilberto Kassab beschreibt die Maßnahmen für seine Stadt mit Zukunft.

Gilberto Kassab (Grafik)

Es gibt kein Patentrezept für effiziente Verkehrssysteme. Jedoch zeigt die Statistik, dass trotz eines Anstiegs der registrierten Fahrzeuge um fast 23 Prozent zwischen 2007 und 2010, die Verkehrsbelastung in São Paulo in den letzten Jahren nachgelassen hat. Um diesen Rückgang zu erreichen, haben wir ganz unterschiedliche Maßnahmen ergriffen. Die vor einigen Jahren eingeführten „No-drive-days“ – einzelne fahrfreie Tage, die anhand der Nummernschilder bestimmt werden – gelten nun teilweise auch für Lastkraftwagen. Heute fahren im erweiterten Stadtzentrum von São Paulo keine Trucks mehr, die ansonsten den Platz von vier bis fünf Personenautos einnehmen würden. Auch große Busse dürfen nur noch die Hauptverkehrsstraßen nutzen.

Die Stadtregierung hat bisher umgerechnet knapp eine halbe Milliarde Euro in die Erweiterung des U-Bahn-Netzes investiert und wird bis Ende 2012 weitere 400 Millionen dafür aufbringen. Die Busflotte wurde erneuert und durch größere und modernere Fahrzeuge ersetzt. All diese Initiativen führen Schritt für Schritt zu einer Verbesserung des öffentlichen Transportsektors und machen diesen für unsere Bürger effizienter und komfortabler. Zudem werden die Busrouten der Großstadt neu geordnet. Die städtische Verkehrsbehörde arbeitet an dem Ziel, die Durchschnittsgeschwindigkeit von Bussen um 15 Prozent zu steigern, was dem Einsatz von 2.250 zusätzlichen Bussen gleichkommt. Und auch an die Fortbewegung per Fahrrad wird in São Paulo gedacht: Inzwischen gibt es bereits 47,2 Kilometer Radfahrspuren, weitere 55 Kilometer sind in Planung.

„All diese Initiativen führen Schritt für Schritt zu einer Verbesserung des öffentlichen Transportsektors und machen diesen für unsere Bürger effizienter und komfortabler.“ Gilberto Kassab, Bürgermeister von São Paulo (Zitat)

Um die Umweltfreundlichkeit zu erhöhen, fahren inzwischen 1.200 Busse mit dem Treibstoff B20, der 20 Prozent Biodiesel enthält. Bei uns in São Paulo ist außerdem die erste brasilianische Ethanol-Busflotte unterwegs – und wir testen intensiv den Einsatz von Hybridfahrzeugen, die mit Biodiesel und Elektrizität angetrieben werden.

Zu den Maßnahmen, die dazu dienen, den Verkehr sicherer zu gestalten, gehört auch eine Geschwindigkeitsreduzierung von 70 auf 60 km/h, die inzwischen schon auf 250 Straßen unserer Stadt Anwendung findet. Zusätzlich führt ein Programm für besseren Fußgängerschutz zu mehr gegenseitiger Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Mit diesen ganz verschiedenen Initiativen in allen Bereichen des individuellen und öffentlichen Transports gelingt es uns, den tagtäglichen Verkehr in São Paulo für alle Verkehrsteilnehmer besser und sicherer zu machen.

GILBERTO KASSAB

51, IST SEIT 2006 BÜRGERMEISTER VON SÃO PAULO.

São Paulo ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates und größte Stadt in Brasilien, zugleich das wichtigste Wirtschafts-, Finanz- und Kulturzentrum sowie Verkehrsknotenpunkt des Landes. Im Rahmen einer umfassenden Klimapolitik hat sich die Stadt verpflichtet, ihre Treibhausgas-Emissionen drastisch zu reduzieren und die Energiebilanz der Stadt nachhaltig zu verbessern.

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