Wie es um die Rohstoffvorräte bestellt sei, fragen die Schüler, beispielsweise die „Seltenen Erden“ für die Elektromobilität. Berechtigte Einwände, findet Winterkorn. So untersuche Volkswagen gerade, ob man nicht ganz auf „Seltene Erden“ verzichten könne, ohne dass der energetische Wirkungsgrad der Elektromotoren sinke. „Mit solchen Fragen sind wir tagtäglich beschäftigt. Und deswegen brauchen wir die besten Ingenieure, Physiker, Chemiker.“

Faszination am Oscylinderscope – Prof. Dr. Martin Winterkorn im phaeno: „Man muss die naturwissenschaftlichen Grundlagen verstehen und beherrschen, um gute Produkte entwickeln und bauen zu können.“ (Foto)

FASZINATION AM OSCYLINDERSCOPE –
Prof. Dr. Martin Winterkorn im phaeno:
„Man muss die naturwissenschaftlichen
Grundlagen verstehen und beherrschen,
um gute Produkte entwickeln und bauen
zu können.“

Einen Bedarf, den man durch massive Neueinstellungen deckt. Allein 2011 hat der Volkswagen Konzern mehr als 7.500 Hochschulabsolventen rekrutiert, davon über 3.000 in Deutschland. Hinzu kommen über 12.000 junge Leute, die eine Ausbildung absolvieren. Sie verstärken eine Belegschaft, die heute bereits eine halbe Million Menschen umfasst. Der Konzernchef hat aber nicht nur die eigenen Mitarbeiter und ihre Familien, sondern auch Lieferanten und Händler im Blick: „Volkswagen trägt Verantwortung für rund zehn Millionen Menschen, die direkt oder indirekt von unseren unternehmerischen Entscheidungen abhängig sind. Dieser Tragweite müssen wir uns immer bewusst sein.“

Die zweite Hälfte der Doppelstunde ist einem Rundgang durchs phaeno gewidmet. Länger verweilt die Gruppe beim Oscylinderscope – einem interaktiven Exponat, das physikalische Schwingungen sichtbar macht. Auch Winterkorn ist fasziniert: „Man muss die naturwissenschaftlichen Grundlagen verstehen und beherrschen, um gute Produkte entwickeln und bauen zu können. Das sage ich jedem jungen Entwickler, der bei uns anfängt, und bei jedem Zusammentreffen mit Studenten.“ Der promovierte Metallkundler ist regelmäßig für Gastvorlesungen an Universitäten wie Budapest und Dresden, zu denen Volkswagen und Audi enge Kontakte pflegen.

„Wir brauchen zur Lösung der drängenden Zukunftsfragen und für die Zukunft von Unternehmen wie Volkswagen hervorragend qualifizierte junge Menschen, die etwas bewegen wollen.“ Prof. Dr. Martin Winterkorn, Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen Aktiengesellschaft (Zitat)

Der Rundgang endet an einem Golf Blue-e-Motion, der vor dem Eingang des phaeno parkt. „2013“, verspricht Winterkorn, „werden die ersten Elektroautos von Volkswagen in die Serie kommen.“ Durch intensive Forschung und höhere Stückzahlen bekäme man auch die heute noch hohen Kosten für die Speicherbatterien in den Griff. Kaum hat der Vorstandsvorsitzende die Motorhaube geöffnet, fragt Robert aus dem Physik-Leistungskurs: „Was halten Sie davon, zusätzlich einen kleinen Dieselmotor einzubauen, der die Batterie wieder auflädt?“ Winterkorn freut sich: „Das nennen wir ‚Range Extender‘ – und wir untersuchen dieses Konzept gerade intensiv.“

Mit der etwas anderen Technikstunde will der 64-jährige Konzernlenker Zeichen setzen. „Wir brauchen zur Lösung der drängenden Zukunftsfragen und für die Zukunft von Unternehmen wie Volkswagen hervorragend qualifizierte junge Menschen, die etwas bewegen wollen. Ich will zeigen, dass Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften Spaß machen – und spannende Berufschancen bieten.“ Eine Botschaft, die ankommt. Daniel, der noch zwischen Physik und Volkswirtschaft als Studienfach schwankt, resümiert: „Letztlich ist die Naturwissenschaft das interessantere Fach.“ Hannah will zwar weiterhin Internationales Recht studieren, sieht aber die Automobilindustrie gerade aufgrund der Globalisierung als spannenden Arbeitgeber. Und Prashanth ist sich seit heute sicherer denn je: Er will später Autos und Motoren entwickeln.

 AUTOR Johannes Winterhagen

 FOTOGRAFIN Claudia Kempf

 WEITERE INFORMATIONEN www.volkswagenag.de

1 Beetle Kraftstoffverbrauch in l/100 km kombiniert von 7,7 bis 4,5; CO2-Emissionen in g/km kombiniert von 179 bis 119.

2 Scirocco Kraftstoffverbrauch in l/100 km kombiniert von 8,1 bis 4,5; CO2-Emissionen in g/km kombiniert von 189 bis 118.

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